Indikatorarten

Ein Einblick in die Artenvielfalt der Heidelandschaft

Die Heide beherbergt eine Vielzahl von Tierarten, von denen viele nur dort vorkommen. Einige von ihnen sind besonders charakteristisch für den Erhaltungszustand der Heidelandschaft und können somit als Bioindikatoren genutzt werden.

Wie ein Juwel im Heidekraut kommt das Männchen der Goldaugenspringspinne daher. Das viel größere Weibchen ist etwas unscheinbarer braun gefärbt. Diese besonders seltenen Spinnen leben nicht direkt von Heidekraut. Doch sie sind natürlich als Räuber von den vegetarischen Tieren abhängig, die sich von Heidekraut ernähren und die sie dort erbeuten. Typischerweise kommen diese hübschen Tiere in Bereichen vor, in denen kleine Kiefern mit ausladenden Ästen stehen. Diese dienen den Tieren als Leiter, um vom erhöhtem Sitz aus Jagd auf anfliegende Beutetiere zu machen.

Die Heideblattkäfer erscheinen an den ersten warmen Tagen im Frühjahr. Dann sieht man sie in der Heide umherfliegen, um einen Partner zu finden und eine günstige Stelle zur Eiablage. Solche finden sie in alten Heidekrautbeständen, die ein dicke Moosschicht aufweisen. In dem dichten Moosteppich schlüpfen bald die Käferlarven. Darin tief verborgen sind sie vor vielen Feinden geschützt und fressen dort an den Wurzeln des Heidekrautes. In regenreichen Sommern entwickeln sich besonders viele Käfer, die dann im folgenden Jahr in Massen auftreten. Anderseits sind besonders trockene Frühjahr- und Sommermonate ungünstig zur Eiablage und Larvenentwicklung, so dass der Käfer nach solchen Jahren wieder nur selten vorkommt.

Kennzeichen der Luchsspinne sind die zahlreichen, sehr langen und spitzen Stacheln an den Beinen sowie die auffallend hohe, schmale, Stirn. Die Spinne besitzt dank ihrer acht Augen ein außerordentlich gutes Sehvermögen. Die Tiere halten sich meist über dem Boden in niedriger, krautiger und strauchiger Vegetation auf warmen und offenen Gelände auf. Die Art ist tagaktiv und webt keine Fangnetze. Die Beute wird luchsartig angeschlichen und im Sprung erbeutet. Ähnlich wie Springspinnen muss das Männchen bei den Luchsspinnen erst einen komplizierten Balztanz mit vibrierendem Hinterkörper und erhobenen Vorderbeinen vollführen, bevor sich die Auserwählte mit ihm einlässt?

Howdy! Unter Texanern sind solche Tiere unter dem Namen „cow-killer“ berühmt. Auch wenn diese Bezeichnung stark übertrieben ist, sollte man trotzdem diese Tiere nicht reizen, da sie sehr schmerzhaft stechen können. Treffend ist dazu ist die indianische Bezeichnung für eine Ameisenwespenart in Peru, die dort ?Ameise, die einen zum Schreien bringt? heißt. Die starke Bewaffnung in Verbindung mit einem äußerst harten Panzer ermöglicht es der Art, sich gegen wehrhafte, stechende Grabwespen zu wehren, deren Bruten die Ameisenwespe parasitiert. Um diese fremden Brutverstecke zu finden, laufen die Weibchen ruhelos durch die Heideflächen. Hat sie eine Grabwespen-Höhle gefunden, kapert sie diese und legt ihr Ei hinein, aus dem bald eine Larve schlüpft, die sich dann über die wohlgenährte Larve der Grabwespe hermacht? Da diese Ameisenwespe direkt vom Vorkommen ihrer nur 1-3 Wirtsarten abhängt, die ihrerseits hochspezialisiert auf den Lebensraum Heide sind, sind Ameisenwespen durch diese komplexen Grundbedingungen verlässliche Bioindikatoren für ein funktionierendes Heide-Ökosystem.

Diese mit kaum 3 mm Länge winzige Zikade ist eine sehr häufige Art in Heide-Beständen. Trotzdem bekommt man sie kaum zu Gesicht, denn sie ist farblich perfekt an Heidekraut angepasst. An diesem saugt die Zikade den süßen Zellsaft und bewegt sich dabei kaum. Anders als andere Zikaden hat die Heidezikade keine Sprungbeine. Auch Flügel fehlen den meisten Tieren, nur sehr wenige Weibchen haben lange Flügel, sind flugfähig und können andere Heidebereiche zu besiedeln. Durch die große Anzahl von Heidezikaden, nehmen sie eine sehr wichtige Stellung im Nahrungsnetz von Heidelandschaften ein, denn eine große Zahl räuberischer Tiere leben von Heidezikaden.

Dieser kleine Geselle hat einen ganz speziellen Geschmack: er frisst an jungen Heidekraut-Blättern. Sonst gibt es nichts auf der Welt was ihm schmecken kann. Seine Eier legt das Käferweibchen in die jungen Blütenknospen des Heidekrautes in dessen Fruchtknoten der Blüten sich im Sommer die jungen Larven entwickeln. Somit ist die Art von reichlicher Blütenbildung des Heidekrautes abhängig und sein häufiges Vorkommen ein sicheres Indiz für vitale Heidekraut-Bestände! Ihrerseits sind die kleinen Rüsselkäfer Nahrungsgrundlage für die Heide-Sichelwanze, Goldaugenspringspinne & Co.

Feldgrillen kommen gern in Heiden vor. Besonders charakteristisch sind sie für ehemalige Brandflächen. Sie ernähren sich zwar nicht hauptsächlich von Heidekraut, aber sie schätzen dort das trockenwarme Klima, den offenen Boden, auf dem sich gut jagen lässt und die gute Verfügbarkeit von Beutetieren und frischem Grün. Als Großinsekt sind sie wiederum als Nahrung für den Wiedehopf hochinteressant. Da Feldgrillen somit eine wichtige Stellung im Ökosystem der Heide innehaben, kann man vom Vorhandensein der Tiere auf den Zustand und Wert des Ökosystems schließen. Deshalb sind Grillen geeignete Bioindikatoren, deren Häufigkeiten sich gut anhand Anzahl der singenden Männchen oder der typischen Erdbauten abschätzen lässt.

Das Kleine Nachtpfauenauge ist ein auffälliger Nachtfalter, der dank seiner flauschigen Erscheinung und der Pfauenaugen-Flecke auf den graubraunen Flügeln unverkennbar ist. Diese Flecke sollen Augen von Raubtieren imitieren und im Falle eines angreifenden Vogels diesem einen gehörigen Schrecken einjagen, um diesen Augenblick zur Flucht zu nutzen. Seine Flugzeit beginnt schon in den ersten warmen Apriltagen. Dann fliegen die Männchen in der Heide umher um dort ihre Weibchen ausfindig zu machen. Nach der Paarung legen die Weibchen dann ihre Eier gern an Heidekraut, an denen sich die Raupen den Sommer über laben.

Im Sommer sind die leuchtend blauen Falter an Blüten am Wegesrand eine auffällige Erscheinung. Dort saugen sie Blütennektar an den wenigen blühenden Thymianpflanzen. Es kommt zu dabei oft zu Gedränge. Die vielen Falter haben sich als Raupen von Heidekraut ernährt. Nachdem sich die Raupen sattgefressen hatten, lockten sie durch süße Ausscheidungen Ameisen an, die sie sogleich in ihre unterirdischen Baue eintrugen. In Gemeinschaft der Ameisen und unter ihrem Schutz verpuppen sich die Bläulingsraupen, zum Dank erhalten die Ameisen weiterhin den Zuckersaft. Um diese nützliche Beziehung den Nachkommen zu ermöglichen, bemühen sich die Bläulingsweibchen ihre Eier in der Nähe der Ameisennester zu legen.

Die Rote Röhrenspinne ist eine große Besonderheit der Heide. Die Männchen haben einen leuchtend roten Hinterleib, die Weibchen dagegen sind graubraun bis schwarz. Beide Geschlechter sind für Spinnen ungewöhnlich groß. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Käfern, die sie aus ihren Erdröhren heraus attackieren. Diese Erdröhren sind mit einem filzigen Netz abgedeckt und mit reichlich Nahrungsresten übersät. Man findet sie vor allem in Heidebeständen, in denen zwischen den Heidebüschen immer wieder größere Lücken mit offenem Boden vorkommen. Die sehr auffälligen Männchen gehen im Spätsommer bei warmem Wetter auf Partnerinnensuche. Dafür krabbeln sie heimatlos in der Heide umher, bis sie die Wohnröhre eines Weibchens gefunden haben. Wenn das Weibchen sich mit dem Männchen einlassen will, lässt es dieses in seine Röhre einziehen und teilt mit diesem fortan ihre Speisen. Die Eiablage erfolgt dann in der Wohnröhre. Nach dem Schlüpfen werden die Jungspinnen mit vorverdauter Nahrung aus dem Mund der Mutter gefüttert. Allmählich verwandeln sich auch die inneren Organe der Spinnenmutter in Nahrungsbrei und nach wenigen Tagen stirbt sie. Die Jungtiere beginnen nun den toten Körper auszusaugen. Gemeinsam überwintern die jungen Spinnen im mütterlichen Gespinst. Erst im Frühjahr ziehen sie aus und bauen in unmittelbarer Nähe ihre eigenen Netze und bilden dadurch kleine Gespinstkolonien.

Warzenbeißer gehören zu den größten Insekten in der Heide. Sie ernähren sich von zarten Pflanzenteilen aber auch von anderen Insekten wie Heuschrecken. Gemeinsam mit der Grille ist das Großinsekt Grundlage einer reichen Vogelfauna wie Wiedehopf und Raubwürger. Der Name dieser Schrecke lässt vermuten, dass dieses Insekt bei einer Hauterkrankung helfen könnte. Tatsächlich wurden diese Tiere früher in der Volksmedizin dafür eingesetzt, Warzen abzubeißen oder Wundränder gründlich zu säubern.

Das Grasgespenst ist eine dünne vegetarisch lebende Glasflügelwanze. Es fällt im trockenen Gewirr von Heide und Gräsern kaum auf, solange es sich nicht bewegt, denn es ähnelt einem trockenen Halm bis ins Detail. Auf diese Weise bestens getarnt, saugt es mit seinen schnabelartigen Mundwerkzeugen am liebsten an Silbergras oder an Kleinem Sauerampfer. Die Eiablage erfolgt ab August, die Eier überwintern. Im Frühjahr schlüpfen die Jungtiere und machen sich dann über das frische Grün her.

Heide-Sandlaufkäfer kann man häufig auf den Sandwegen, Brandschutzstreifen und ehemaligen Brandflächen beobachten. Dort machen die Tiere in rasantem Sprint Jagd auf Insekten und Spinnen, die sie mit den Kieferzangen greifen und dann aussaugen. Seine langen Beine sichern so einerseits den Jagderfolg, andererseits sorgen sie auch dafür, dass der Käferkörper möglichst weit vom Boden abgehoben ist. So entkommt der Käfer im heißen Sommer dem drohenden Hitzetod auf dem aufgeheizten Sandboden. Bei drohender Gefahr zeigen die Käfer auch ihre gute Flugtüchtigkeit. Die Larven des Heide-Sandlaufkäfers sind dagegen gar nicht mobil: sie leben in selbstgegrabenen Wohnhöhlen im lockeren Sandboden, die sie nicht verlassen können, und jagen von dort aus vorbeilaufende Insekten um diese zu verspeisen.

Ameisenjungfern ähneln kleinen Libellen. Doch am Tage sitzen sie an Ästen oder an Blattunterseiten, da sie meistens nur nachts unterwegs sind. Dann begeben sich die Ameisenjungfern auf Partnersuche. Zu fressen gibt es während ihrer Erwachsenphase prinzipiell nichts. Diese asketische Lebensweise unterscheidet sich stark von ihrer räuberischen Jugend, in der sie als Ameisenlöwen die sandigen Böden für Ameisen unsicher machten. Als fallenstellender Lauerjäger gräbt die Jungfernlarve einen steilen Trichter in den lockeren Sand und wartet am Grunde des Trichters darauf, dass ein Insekt in diese Falle hineinrutscht. Um die Flucht aus der Falle zu erschweren, wirft der Ameisenlöwe auch noch mit Sand und versucht das herunterrutschende Tier mit seinen scharfen großen Kiefernzangen zu packen und zu verspeisen.

Diese große Springspinne hat eine Vorliebe für kleine Kiefern in der Heidelandschaft. Dort legt sie an den Verzweigungsstellen der Zweige ihre seidigen Wohngespinste an. Auf diesen Bäumchen in der Heide profitiert die Spinne einerseits von den trocken-warmen Bedingungen, die sie im geschlossenen Wald nicht finden würde. Andererseits wirken Einzelbäume auch für viele Beutetiere als Strukturelement wie ein Magnet. So braucht die Springspinne nur abzuwarten bis eine geeignete Mahlzeit vorbei kommt, die sie aus dem Stand im Sprung überrumpelt. Ihre perfekte Tarnung hilft ihr dabei, die perfekt die trockene, feinschuppige Kiefernrinde mit ausgeblichenen weißlichen Harztropfen darauf imitiert.

Nähert man sich eine Ödlandschrecke so bleibt diese vollkommen regungslos und auf seine perfekte Tarnung vertrauend sehr lange am Boden sitzend. Im allerletzten Moment jedoch springt sie doch noch ab und präsentiert dabei ihre leuchtend blauen Hinterflügel. Sie fliegt so einige Meter weiter und kurz vor der Landung schlägt sie nochmals einen Haken, um es seinem Verfolger nicht zu leicht zu machen erneut das Tier aufzuspüren. Ödlandschrecken sind in vielen offenen, sandigen Gebieten häufig. Somit sind sie in der Heide ebenfalls reichlich vertreten. Dort ernähren sie sich von vielerlei kleinen Pflanzen.

Bilder & Text by Dr. Carsten Neumann, Dr. Joerg Mueller, Dr. Hannes Petrischak